Technikfokus – Bildtransfer

Wer gerne Neues ausprobiert und immer mal wieder auf der Suche nach anderen Techniken für seine Arbeiten ist, für den habe ich heute vielleicht eine Idee. Wie das recht häufig so ist, kam ich nur durch Zufall, 8 Ecken und das Internet darauf, war aber von Anfang an fasziniert. Die Rede ist von Bildtransfers. Diese leicht verwaschenen, irgendwie verzaubert und subtil wirkenden „Kopien“ von Fotos oder anderen Abbildungen regen meine Fantasie an und haben ihren ganz eigenen Charme. Ohne lange Vorreden zeige ich euch heute mein Experiment mit einer der Techniken aus dem Buch, das ich euch am Ende des Artikels noch vorstellen werde.

Legen wir aber erst einmal los: Die Technik, die ich zuerst ausprobiert habe, ist die Transfertechnik mit durchsichtigem Paketklebeband. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe dafür die allseits bekannte selbstklebende Bucheinbinde-Folie verwendet, damit ist man im Format sehr viel Flexibler, für kleinere Stücke geht aber auch besagtes Klebeband. Preis und Qualität des Bandes sind dabei nicht von Bedeutung.

Zunächst benötigt man eine Kopie, z. B. von einem Foto oder auch eine Abbildung aus einer Zeitschrift. Die Kopie kann farbig oder schwarz weiß sein, sollte aber eine Laser-Kopie und nicht mit dem Tintenstrahldrucker gemacht sein. In meinem Fall ist es eine Kopie von einem sehr alten Foto. Es zeigt meine Großtante Helene und ihre beste Freundin Zita, von der sie noch in den letzten Stunden ihres Lebens gesprochen hat.

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Links das Originalfoto und rechts die Kopie. Ich gebe natürlich zu, dass der Effekt eines Fototransfers in diesem Beispiel nicht so deutlich zur Geltung kommt, denn hier ist ja bereits das Original ziemlich alt und verwaschen. Ich wollte es aber unbedingt mit diesem Bild machen, weil mir viel daran liegt.

Die Fotokopie wird nun mit einem passenden Stück Paketklebeband oder in meinem Fall Bucheinbindefolie beklebt.

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Es muss nicht exakt die gleiche Größe sein, ich habe am unteren Bildrand etwas weggelassen, so groß, wie ihr das Transfer am Ende eben haben möchtet. Dann schneidet ihr die Kopie passend zurecht.

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Bis dahin ging alles noch recht manierlich zu, jetzt geht es den beiden Ladys etwas an den Kragen. Die beiden Damen dürfen sich nämlich nun zu Bade begeben.

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Keine Sorge! Das ist keine fancy Chemikalie sondern nur lauwarmes Leitungswasser. Das ist das absolut Tolle an dieser Methode, die Materialien sind einfach zu beschaffen oder man hat sie gar im Haus und sie kosten nicht viel. Ich habe den Damen zumindest eine badewannenartige Schüssel spendiert. Ich fand, dass war ich meiner „Oma Helene“ irgendwie schuldig.

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Jetzt durften die beiden Damen eine Weile im Wasser zubringen. Ich habe ehrlich gesagt nicht auf die Uhr geschaut, aber man merkt recht schnell, ob die Zeit lange genug war. Denn anschließend wird gerubbelt. Dreht das Bild mit der Papierseite nach oben und rubbelt vorsichtig mit dem Finger das Papier ab. Wenn es noch nicht weich genug ist, bitte nicht mit einem  Schwamm oder gar etwas Kratzigem kommen, sonst beschädigt ihr euer Transfer, lasst es lieber noch einen Moment länger im Wasser.

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So schaut das Bild halb abgerubbelt aus. Der Toner hat sich auf die Folie übertragen. Partien, die zuvor hell waren sind nun durchsichtig. Man kann das natürlich bei dem weißen Untergrund schlecht erkennen aber vielleicht erahnt ihr es ja. Wenn ihr alles schön abgerubbelt habt, legt das Bild z. B. auf etwas Küchenrolle (mit der Klebeseite nach oben) zum Trocknen. Wenn es trocken ist, wird die Rückseite wieder leicht klebrig sein, meistens genügt das jedoch nicht ganz, um das Transfer irgendwo aufzukleben. Das ist aber kein großes Problem. Mit Hilfe eines Klebestifts könnt ihr euer Transfer an Ort und Stelle bringen. Vielleicht in ein Art Journal, als Mixed-Media-Art, auf eine Postkarte, eine Einladung; sogar Gläser eignen sich hervorragend. Denn mit den durchscheinenden Transferbildern entstehen wunderbare Windlichter (hier würde ich dann einen Bastelkleber verwenden, der durchsichtig trocknet)!

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So schaut nun das fertige Transferbild aus. Und was aus den beiden Damen dann schlussendlich wurde, zeige ich euch demnächst. Es fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten mit denen ich noch etwas experimentieren muss.

Hier noch mein Buchtipp zum Schluss:

9783258601090
Courtney Cherutti:
Bildtransfer
Materialien, Techniken und Projekte
Haupt Verlag
ISBN: 978-3-258-60109-0
144 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen
Klappenbroschur, 21.6 x 25.4 cm, 554 g
CHF 33.90 (UVP) / EUR 24.90 (D) / EUR 25.60 (A)

Mich würde wirklich interessieren, wie euch dieser „Ausflug“ gefallen hat und ob ihr vorhabt diese Technik einmal auszuprobieren. Das Buch bietet natürlich noch sehr viel mehr Möglichkeiten und Projekte. Die Sache mit dem Klebeband erschien mir jedoch am simpelsten, obwohl wirklich alle im Buch vorgestellten Techniken sehr einfach sind. Die Methode mit Nagellackentferner ist sicherlich genauso easy – müffelt einfach nur mehr. 😉 Wenn es euch gefallen hat, hinterlasst mir einfach einen Kommentar oder schickt mir eine Nachricht. Ich freue mich wirklich sehr, wenn ich jemanden „anstiften“ konnte.

Alles Liebe

Andrea

 

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3 Gedanken zu “Technikfokus – Bildtransfer

  1. Cornelia schreibt:

    Liebe Andrea,
    eine sehr schöne Technik. Vielen Dank für diesen kleinen Ausflug. Ich hoffe, dass ich das auch irgendwann mal benutzen kann, nur leider habe ich einen Tintenstrahldrucker… Deshalb wird es dann noch dauern bis mir „ein Opfer“ über den Weg läuft.

    Viele Grüße
    Cornelia

  2. kiki | la wollbindung schreibt:

    magic! und wie du schon geschrieben hast: simple zutaten und ein klasse ergebnis…
    da lassen sich sicher schöne sachen damit anstellen und ich bin gespannt, wie es mit helene und zita weitergehen wird.

    liebe grüße und noch ein schönes wochenende!
    kiki

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